Optionsanleihen Beispiel Essay

Optionsanleihen sind festverzinsliche Wertpapiere, die das Recht zum Erwerb von Aktien in einem von der Anleihe abtrennbaren Optionsschein verbriefen. Dieser Optionsschein kann selbstständig gehandelt werden. Die Aktien lassen sich gegen Herausgabe des Optionsscheins zu im voraus festgelegten Konditionen beziehen. Die Optionsanleihe selbst wird dabei nicht umgetauscht und bleibt bis zu ihrer Rückzahlung bestehen.

Eine Optionsanleihe besteht aus zwei unterschiedlichen Komponenten:
1. Sie ist eine Unternehmensanleihe.
- Jährliche Zinszahlung zum Zinstermin (Zinsschein)
- Rückzahlung zum Nennwert bei Fälligkeit.
2. Es sind ein oder mehrere Call- Optionsscheine beigefügt. Diese geben dem Anleger das Recht, zu einem bestimmten Preis Aktien des Emittenten zu beziehen. Deshalb steigen die Preise der Optionsscheine, wenn der Preis der Aktie steigt. Die Optionsscheine können von der Anleihe getrennt werden – manche Optionsanleihen haben allerdings eine „Schonfrist“, vor deren Ablauf nicht getrennt werden darf. Hängen die Warrants noch an der Optionsanleihe, spricht man von einer „Anleihe cum“. Wurden die Warrants abgetrennt, spricht man von einer „Anleihe ex“. Sowohl für Anleihe cum als auch für die Anleihe ex und die Optionsscheine gibt es jeweils einen Börsenkurs.
Wenn der Optionsschein mehr kostet als der rechnerische (innere) Wert, dann zahlt der Anleger ein Aufgeld für die Chance, dass der Kurs noch steigen kann.

Voraussetzungen für die Emission:

1. Der Emittent muss als Aktiengesellschaft firmieren, damit er die versprochenen Aktien liefern kann.
2. Die Hauptversammlung muss eine bedingte Kapitalerhöhung mit mind. ¾- Mehrheit (§ 221 AktG) beschließen.
3. Den bisherigen Aktionären muss wegen der Kapitalverwässerung (§ 221 Abs. 4 AktG) das Bezugsrecht eingeräumt werden.

Mögliche Gründe für die Ausgabe einer Optionsanleihe:

· Der Emittent erhält zinsgünstiges Fremdkapital, weil der Zinssatz unter dem Zinssatz für normale Anleihen liegt.
· Eine sofortige Erhöhung des Eigenkapitals durch eine Emission von Aktien ist wegen der schlechten Ertragslage
- nicht wirtschaftlich, weil die Ausgabe von jungen Aktien wegen der niedrigen Notierung nicht den gewünschten Kapitalzufluss bringt oder
- nicht möglich, weil die bisherigen Aktionäre den Bezug junger Aktien ablehnen.

Vorteile für den Emittenten:

1. Die Zinsen für Anleihen senken als Betriebsausgaben den steürpflichtigen Gewinn.
2. Bei Ausübung des Bezugsrechtes erhält er zusätzlich das gewünschte Eigenkapital.

Vorteile für den Anleger:

· Der Anleger hat ein Bezugsrecht, d. h. er kann, muss aber nicht die Aktien beziehen.
· Aus der Anleihe hat er Anspruch auf
- regelmäßige Zinszahlung in fester Höhe
- Rückzahlung zum Nennwert bei Fälligkeit
· bei steigenden Aktienkursen,
- steigt auch der Kurs der Optionsanleihe. Die Kursverluste sind begrenzt, weil sich der Kurs nach unten so verhält wie bei Anleihen mit gleicher Verzinsung.
- kann der Anleger die Aktien zum günstigen Preis beziehen, weil der Bezugspreis bereits bei Emission der Optionsanleihe festgelegt wird
· nach Ausübung des Bezugsrechtes, z. B. im Verhältnis 4:1ist er auch Miteigentümer an der Aktiengesellschaft (Sachgüter)
- Recht auf Mitbestimmung- Chance auf Kursgewinne und auf Dividende
- Minderung des Inflationsrisikos

Börsennotierung:

Die Optionsrechte sind in Optionsscheinen verbrieft, die von der Anleihe getrennt an der Börse gehandelt werden können:

  • Optionsanleihe mit Optionsschein (Anleihe cum = "volle Stücke")
  • Optionsanleihe ohne Optionsschein (Anleihe ex = "leere Szück")
  • Optionsschein alleine

Ausgabe:

Bei der Ausgabe der Optionsanleihe müssen festgelegt sein:

  • die Optionsfrist
  • der Basispreis
  • das Bezugsverhältnis

Bezugsverhältnis:

Das Bezugsverhältnis gibt an, wieviele Optionsscheine zum Bezug einer Aktie benötigt werden. Bei einem Bezugsverhältnis von 3:1 benötigt der Anleger z.B. 3 Optionsscheine um 1 Aktie beziehen zu können.

Basispreis:

Der Basispreis ist der im Voraus festgelegte Preis, zu dem der Basiswert bei Ausübung des Optionsrechts gekauft werden kann.

Hebelwirkung (Leverage-Effekt):

Der Inhaber eines Optionsscheines nimmt überdurchschnittlich an Kursgewinnen bzw. Kursverlusten teil. Der Hebel gibt an, um wieviel Prozent sich der Kurs eines Optionsscheins verändert, wenn der Kurs der Aktie um 1 % steigt oder fällt.

Beispiel für die Hebelwirkung:
- Basispreis: 110 Euro
- Optionsscheinkurs: 50 Euro
- Verhältnis: 1:1
- akt. Kurs: 160 Euro
- Kurssteigerung: 20 %

Formel:
aktüller Kurs x Optionsverhältnis / Kurs des Optionsscheins

Rechnung:
160 Euro x 1 / 50 Euro = 3,2 Hebel

Beispiel 2:
- Basispreis: 350 Euro
- Optionsscheinkurs: 80 Euro
- Verhältnis: 2:1
- akt. Kurs: 400 Euro
- Kurssteigerung: 20 %

Rechnung:
400 x 0,5 / 80 = 2,5 Hebel

Innerer Wert:

Der innere Wert ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Basispreis und dem Kurs des Basiswertes, wobei das Optionsverhältnis als Faktor (z.B. 0,5 bei einer Aktie für zwei Optionsscheine) zu berücksichtigen ist.

Beispiele für die Optionsscheinausübung:

- Bezugspreis (Basispreis) für eine Aktie: 180 Euro
- Bezugsverhältnis: 3:1
- akt. Börsenkurs: 150 Euro (lfd. Steigerung um 20 %)

ZeitpunktBezugspreisAktienkursDifferenzinnerer WertAktienkaufAusübung
118015000lohnt sichnein
218018000lohnt sichnein
31802163612teurerja
41802587826teurerja

Vorteile und Nachteile der Optionsanleihe:

 Vorteile: Nachteile:
Überproportionale Teilnahme an Kurssteigerungen der Bezugsaktie dank des Hebeleffektes.hohes Kurs- und Verlustrisiko wegen der Hebelwirkung bei Kursrückgang der Bezugsaktie.
Geringer Kapitaleinsatz im Vergleich zum direkten Aktienerwerb.keine Dividenberechtigung, kein Stimmrecht, begrenzte Optionsfrist

Optionsanleihe Definition

Eine Optionsanleihe verbrieft

  • das Recht auf Zinsen (Zinskupon) und Rückzahlung (wie eine "normale" Anleihe) sowie darüber hinaus das
  • zusätzliche Recht (die Option) auf Bezug von Aktien oder Anleihen zu festgelegten Konditionen.

Im Unterschied zur Wandelanleihe erfolgt bei Ausübung der Option durch den Anleger kein Umtausch der Anleihe. Die Anleihe ist also in jedem Fall durch das Unternehmen zurück zu zahlen.

Optionsanleihen werden i.d.R. am Kapitalmarkt als Inhaberpapier platziert – das Unternehmen kennt somit seine Gläubiger nicht namentlich.

Alternative Begriffe: Optionsschuldverschreibung, warrant bond.

Optionsschein

Der Optionsschein, der das zusätzliche Recht auf Aktienbezug verbrieft, kann von der Schuldverschreibung abgetrennt werden und ist dann getrennt von der Anleihe (z.B. an der Börse) handelbar. Der Optionsschein ermöglicht „bei Einlösung“ den Bezug der Aktien zu einem festgelegten Preis.

Die Option wird (unter Vorbehalt der vereinbarten Frist) nur dann vom Anleger ausgeübt werden, wenn der aktuelle Aktienwert über dem vereinbarten Bezugskurs (Ausübungspreis) liegt.

An der Börse können

  • die Anleihe inkl. Optionsschein ("Anleihe cum")
  • die Anleihe ohne Optionsschein ("Anleihe ex") und
  • der Optionsschein alleine ("Warrant")

gehandelt werden.

Voraussetzung: Bedingtes Kapital oder eigene Aktien

Voraussetzung für die Ausgabe einer Optionsanleihe ist die Schaffung eines entsprechenden bedingten Kapitals, damit die Aktien im Falle der Ausübung der Option durch den Optionsinhaber auch geschaffen werden können.

Unter Umständen erlauben es die Optionsbedingungen auch, ausgeübte Optionsrechte aus dem Bestand eigener Aktien (falls vorhanden) zu bedienen.

Optionstypen

Man unterscheidet in Bezug auf die zeitliche Ausübungsmöglichkeit der Option

  • Europäische Option: diese kann lediglich am Ende ihrer Laufzeit (z.B. zum 31. Dezember 2015) ausgeübt werden und
  • Amerikanische Option: diese kann während der Laufzeit (z.B. im Zeitraum 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2015) ausgeübt werden.

Optionsanleihe Beispiel

Beispiel: Ausgabe und Ausübung einer Optionsanleihe

Die Huber AG hat zum 1. Januar 2009 eine Optionsanleihe in einer Gesamthöhe von 10 Mio. Euro Nennwert ausgegeben. Ausgabe und Rückzahlung erfolgen zum Nennwert. Der Zinssatz beträgt 2 %. Die Stückelung beträgt 10.000 Stück zu 1.000 Euro Nennwert. Eine Optionsanleihe im Nennwert von 1.000 Euro berechtigt zum Bezug von 5 Aktien zu einem Ausübungspreis von 50 Euro.

Zum Zeitpunkt der Ausgabe bucht die Huber AG eine Verbindlichkeit in Höhe von 10 Mio. Euro (Bilanzposten Anleihen 10 Mio. Euro, davon konvertibel 10 Mio. Euro) ein, der ein entsprechender Geldeingang aus der Begebung der Optionsanleihe gegenübersteht. Zum 31. Dezember 2009 erfolgt die erste Zinszahlung in Höhe von 200.000 Euro (2 % des Nennwerts).

Die Laufzeit der Optionsanleihe wird auf 5 Jahre festgelegt, d.h. die Rückzahlung erfolgt zum 31. Dezember 2013. Eine Ausübung der Option ist erst zum Ende der Laufzeit, d.h. zum 31. Dezember 2013 möglich (Europäische Option).

Der Aktienkurs der auf den Inhaber lautenden nennwertlosen Stückaktien der Huber AG, auf die jeweils ein rechnerischer Anteil am Grundkapital der Huber AG von 1 EUR entfällt, zum Zeitpunkt der Ausgabe der Optionsanleihe beträgt 40 Euro.

Die Huber AG hat im Zusammenhang mit der Emission der Optionsanleihe durch Hauptversammlungsbeschluss ein Bedingtes Kapital in Höhe von 50.000 Euro geschaffen.

Nun sei angenommen, der Aktienkurs der Huber AG steht zum 31. Dezember 2013 bei 60 Euro und alle Anleihegläubiger machen von ihrem Optionsrecht Gebrauch.

Dann stellt sich die Situation wie folgt dar:

Optionsanleihe bei Ausübung aus Unternehmenssicht:

Das Gezeichnete Kapital der Huber AG erhöht sich durch die Ausgabe neuer Aktien an die Anleihegläubiger um 50.000 Euro (50.000 Aktien a 1 Euro rechnerischer Nennwert = 50.000 Euro). Die Differenz zwischen dem Ausübungspreis von 50 Euro sowie dem „rechnerischen Nennwert“ von 1 Euro geht in die Kapitalrücklage (§ 272 Abs. 2 Nr. 1 HGB) ein, d.h., die Kapitalrücklage erhöht sich um 2.450.000 Euro.

Die Optionsanleihe in Höhe von 10 Mio. Euro wird zum 31. Dezember 2013 zurück gezahlt.

Optionsanleihe bei Ausübung aus Sicht der Investoren:

Die Investoren haben für einen Zeichnungsbetrag in Höhe von 1.000 Euro nunmehr 5 Aktien zum Preis von 250 Euro (5 Aktien zu 50 Euro) erhalten, die sie z.B. zum aktuellen Aktienkurs von 60 Euro (in Summe: 300 Euro) veräußern könnten. Sie können aber die Aktien auch weiterhin halten, um später bei (ggf. erwarteten noch höheren Aktienkursen) zu verkaufen.

Ausweis der Optionsanleihe in der Bilanz

Durch die Ausgabe der Optionsanleihe entsteht eine Verbindlichkeit gegenüber den Zeichnern der Anleihe, die in der Bilanz in dem Bilanzposten Anleihen gemäß § 266 Abs. 3 C. 1. HGB ausgewiesen wird.

Vorteile und Nachteile der Optionsanleihe

Vorteile der Optionsanleihe

Durch Optionsanleihen kann Fremdkapital kostengünstig zu einem in der Regel vergleichsweise niedrigen Zinssatz aufgenommen werden (die Anleihegläubiger werden durch das Optionsrecht für den niedrigen Zinssatz entschädigt).

Die Anleihezinsen mindern den steuerpflichtigen Gewinn.

Nachteile der Optionsanleihe

Allerdings muss die Anleihe – im Gegensatz zur z.B. Wandelschuldverschreibung – zum Fälligkeitszeitpunkt in jedem Fall zurück bezahlt werden.

Im Falle der Ausübung der Option werden durch die Ausgabe der neuen Aktien die Altaktionäre verwässert, d.h. ihr Anteil an dem Unternehmen verringert sich.

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